Der Regelenergiemarkt: Das Sicherheitsnetz für unser Stromsystem

Damit bei Ihnen zu Hause jederzeit zuverlässig Strom fliesst, muss im Netz in jeder Sekunde gleich viel Energie produziert wie verbraucht werden. Kommt es zu Abweichungen, sorgt der Regelenergiemarkt innert kürzester Zeit für den nötigen Ausgleich und hält unser Stromsystem stabil.
Das Bild zeigt eine Stromleitung und im Hintergrund das Stockhorn

Schon kleine Schwankungen zwischen erzeugtem und verbrauchtem Strom verändern die Frequenz im Stromnetz. Sie zeigt, wie stabil unser Netz ist. In Europa liegt sie bei 50 Hertz. Das ist der Herzschlag unseres Stromsystems. Weicht dieser Wert ab, gerät das Netz aus dem Gleichgewicht. Sinkt die Frequenz, fehlt Energie. Steigt sie, ist zu viel im Netz.

Regelenergie sorgt für den Ausgleich. Automatisch und präzise. Innert Sekunden. Bei einem Stromüberschuss wird die Produktion reduziert oder der Verbrauch erhöht. Bei einem Engpass wird zusätzliche Energie eingespeist oder der Verbrauch gesenkt. Im Notfall werden einzelne Verbraucher abgeschaltet. So bleibt die Versorgung zuverlässig und stabil. Auch hier in der Region Thun.

Wer stellt Regelenergie bereit?

Regelenergie kommt aus verschiedenen Quellen. Dazu gehören beispielweise flexible Kraftwerke – vor allem Pumpspeicherkraftwerke – Batteriespeicher oder grosse Industrieanlagen mit anpassbarem Verbrauch. Diese Anlagen stellen Reserven bereit. Bei Bedarf reagieren sie sofort.

Swissgrid koordiniert diesen Prozess für die Schweiz. Über den Regelenergiemarkt wird festgelegt, wer wie viel Reserve bereitstellt.

Auch wir tragen zur Stabilität des Schweizer Stromnetzes bei. Bei einer Überproduktion können unsere Aarewerke ihre Produktion gezielt senken. Gemeinsam mit der AVAG Umwelt AG betreiben wir zudem eine Power-to-Heat-Anlage. Überschüssiger Strom wird dort in Wärme umgewandelt und über das Fernwärmenetz in der Region genutzt. So geht keine Energie verloren und die Versorgungssicherheit wird erhöht.

Drei Stufen für maximale Stabilität

Damit das Netz jederzeit im Gleichgewicht bleibt, gibt es drei aufeinander abgestimmte Stufen.

1. Primärregelung: Die Soforthilfe

Sie reagiert innerhalb von Sekunden automatisch auf Frequenzabweichungen. Dieser erste Eingriff stoppt die Schwankung und stabilisiert das Netz kurzfristig. Die Primärregelung erfolgt europaweit.

2. Sekundärregelung: Die Feinjustierung

Schwankt die Netzfrequenz weiter, greift nach wenigen Minuten die Netzleitstelle von Swissgrid ein. Sie überwacht das Übertragungsnetz rund um die Uhr. Bei Bedarf steuert sie gezielt inländische Kraftwerke an. Diese passen ihre Produktion an, bis die Frequenz wieder stabil bei 50 Hertz liegt.

3. Tertiärregelung: Die Entlastung

Hält ein Ungleichgewicht länger als 15 Minuten an, werden zusätzliche Reserven aktiviert. Einzelne Kraftwerke im In- oder Ausland speisen dann mehr oder weniger Energie ins Netz ein.

Warum Regelenergie Kosten verursacht

Regelenergie ist unverzichtbar. Doch sie ist aufwendig. Es müssen ständig Reserven bereitstehen. Anlagen müssen schnell reagieren können. Eingriffe erfolgen oft sehr kurzfristig. Diese Kosten tragen alle Stromkund:innen über die Netznutzungsentgelte. Darum müssen Schwankungen so klein wie möglich bleiben. Das gelingt unter anderem durch eine sorgfältige Planung der Kraftwerke und des Stromhandels, durch den gezielten Einsatz von flexiblen Anlagen und durch den weiteren Ausbau des Netzes mit intelligenten Komponenten. Mit dem Ausbau von wetter- und tageszeitabhängiger Solar- und Windenergie nehmen Anzahl und Stärke der Schwankungen im Stromnetz zu. Das bedeutet: Der Bedarf an Regelenergie steigt.

Netzstabilität ist Teamarbeit. Nur wenn Produktion und Verbrauch jederzeit zusammenspielen, bleibt unser Stromsystem zuverlässig im Gleichgewicht.

Selbst ans Steuer des Stromnetzes

Testen Sie Ihr Geschick und halten Sie das Stromnetz stabil.

Das Bild zeigt eine Stromleitung und im Hintergrund das Stockhorn

Tiefer ins Thema Netzstabilität eintauchen?

In unserer Blogserie erfahren Sie, wie das Stromnetz im Gleichgewicht bleibt.