Mal ist viel Strom im Netz, mal weniger. Diese Schwankungen gab es schon immer. Heute fallen sie stärker aus und treten häufiger auf. Der Grund: Solar- und Windstrom hängen vom Wetter ab. An sonnigen Mittagen steht oft viel Solarenergie bereit. Am Abend kann Strom knapper werden. Hier kommt Flexibilität ins Spiel: Strom wird dann genutzt oder gespeichert, wenn er verfügbar ist. So lässt sich erneuerbare Energie besser nutzen und das Netz entlasten.
Vom planbaren System zur neuen Realität
Früher war die Stromproduktion besser planbar. Heute verändert sich dieses System. Mit dem Ausbau von Solar- und Windenergie wird die Stromproduktion dezentraler und wetterabhängiger. Gleichzeitig wird der Strombedarf steigen. Immer mehr Menschen nutzen Elektroautos und Wärmepumpen.
Das hat direkte Auswirkungen auf unser Stromnetz. Die Produktion und den Verbrauch aufeinander abzustimmen wird anspruchsvoller. Die Stromflüsse nehmen zu und schwanken stärker. Besonders bei Lastspitzen steigt das Risiko von Engpässen im Netz.
Für uns bedeutet das: Wir entwickeln unser Stromnetz laufend weiter, damit es schnell reagieren kann und zuverlässig bleibt. Doch Netzausbau und Digitalisierung allein reichen nicht. Ein wichtiger Hebel sind auch flexible Verbraucher – zum Beispiel Wärmepumpen, Elektroautos oder Batteriespeicher. Diese Geräte können ihren Stromverbrauch je nach Auslastung des Netzes anpassen.
Warum flexible Verbraucher wichtig sind
Viele Geräte müssen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt laufen. Ein Boiler kann sich auch später einschalten, solange im Speicher noch genug warmes Wasser vorhanden ist. Eine Wärmepumpe kann ihren Betrieb verschieben, ohne dass sich die Raumtemperatur spürbar verändert. Und ein Elektroauto muss nicht sofort laden, wenn es angeschlossen ist, sondern kann dies auch später tun. Der Komfort bleibt gleich. Der Stromverbrauch verschiebt sich einfach in der Zeit.
Passen diese Geräte ihren Verbrauch daran an, wie stark die Stromleitungen ausgelastet sind, hilft das, das Netz stabil zu halten. Stark belastet ist das Netz, wenn viele Geräte gleichzeitig Strom brauchen oder besonders viel Strom ins Netz fliesst. Weniger belastet ist es, wenn insgesamt weniger Strom gleichzeitig gebraucht wird und in den Leitungen noch Kapazität frei ist.
Ein Beispiel: Scheint am Nachmittag die Sonne stark, steht viel Solarstrom zur Verfügung. Gleichzeitig ist der Stromverbrauch oft tiefer. Wird das Elektroauto dann geladen statt erst am Abend, passt der Verbrauch besser zur Produktion. Genau das ist Flexibilität.

