Der Startschuss fiel vor rund zehn Jahren. Damals suchten die Energie Thun AG und die AVAG Umwelt AG gemeinsam nach einer besseren Nutzung der Abwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage. «Damals ging viel Energie verloren», erklärt Bruno Guggisberg. «Fernwärme ist eine sinnvolle Lösung, um diese Wärme effizient zu nutzen und nachhaltig in die Region zu bringen.»
Vom Plan zur Realität
Seit Anfang 2021 wird gebaut – mit sichtbarem Fortschritt. Heute ist das Fernwärmenetz rund 14 Kilometer lang. Die Hauptleitungen des ursprünglichen Projekts sind erstellt und in Betrieb. «Die ursprünglich geplanten Fernwärmegebiete sind grösstenteils erschlossen», sagt Guggisberg. «Unsere Fernwärmekarte zeigt, wo bereits angeschlossen wurde und wo es weitergeht.»
Verdichten, erweitern, weiterdenken
Aktuell liegt der Fokus auf der Netzverdichtung und -erweiterung. Das heisst: weitere Liegenschaften in bestehenden Gebieten anschliessen und einzelne Perimeter ausdehnen. Parallel dazu laufen die Planungen für einen grossräumigen Ausbau. Christoph Caduff ergänzt: «Zurzeit arbeiten wir unter anderem in diesen Bereichen: Buchholzstrasse, Fischerweg, Meisenweg, Schulstrasse und Pestalozzistrasse.»
Ein Ausbau entsteht nicht zufällig. «Oft startet ein Projekt mit der Anschlussvereinbarung eines Schlüsselkunden», erklärt Guggisberg. «Zusätzlich braucht es eine Mindestanzahl an Abnehmer:innen in einem Gebiet.» Denn trotz guter Dämmung geht beim Wärmetransport immer etwas Energie verloren. «Nur wenn genügend Wärme genutzt wird, bleibt das Projekt ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.»
Bauen mitten im Quartier
Baustellen lassen sich nicht vermeiden. Umso wichtiger ist eine gute Planung. «Wir informieren frühzeitig und koordinieren die Arbeiten sorgfältig», sagt Caduff. «Totalsperrungen helfen oft, schneller voranzukommen und die Bauzeit insgesamt zu verkürzen.» Als Faustregel gilt: Rund sechs Wochen Bauzeit pro 100 Meter Fernwärmeleitung. Es wird gefräst, gebaggert, geschweisst, geschäumt, geprüft und wieder versiegelt – oft mitten im belebten Quartier. «Das braucht Geduld», so Caduff.
Typische Herausforderungen
Im Siedlungsgebiet trifft man häufig auf bestehende Werkleitungen, die umgelegt werden müssen. Auch die Verkehrsführung sowie Lärm und Staub stellen besondere Herausforderungen dar. «Hier sind wir auf das Verständnis der Anwohnenden angewiesen», sagt Caduff.
Baulich besonders herausfordernd war beispielsweise die Unterquerung des Hohmadkreisels – wegen des schwierigen Baugrunds und der grossen Rohrdimensionen. Anspruchsvoll ist auch, dass der Zeitpunkt des Netzausbaus mit dem Heizungsersatz der Kund:innen übereinstimmt.
Gut informiert von Anfang an
«Über Bauetappen und Einschränkungen informieren wir über mehrere Kanäle», erklärt Caduff. «Dazu gehören unsere Website, Infoschreiben an Anwohnende, Plakatständer vor Ort sowie Publikationen im Amtsanzeiger. Bei grossen Baustellen informieren wir zusätzlich mit Medienmitteilungen. So sind alle relevanten Informationen rechtzeitig verfügbar.»
Sicher versorgt – auch im Ausnahmefall
Die Versorgungssicherheit ist hoch. «Wir verfügen über ein Backup-System mit Gas und Öl, das die Wärmeversorgung vollständig übernehmen kann», erklärt Guggisberg. Wenn die alte Heizung früher als geplant den Dienst versagt, stehen mobile Heizzentralen bereit. Ein zusätzliches Heizsystem brauchen Kund:innen nicht. «Fernwärme ist eine langfristige Lösung», so Guggisberg.
Ein Projekt mit Sinn
Was beide antreibt, ist klar. «Wir bauen für Thun ein komplett neues Versorgungsnetz», sagt Guggisberg. «Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Klimastrategie der Stadt. Das Projekt ist nachhaltig und bringt die Region konkret voran.»
Für Kund:innen spricht vieles für Fernwärme. Sie bietet eine hohe Versorgungssicherheit und macht weniger abhängig von Schwankungen der Brennstoffkosten. Eine Investition in eine eigene Heizungsanlage ist nicht nötig, ebenso entfällt ein entsprechender Servicevertrag. Auch Abgasüberprüfungen, wie bei Öl- oder Gasheizungen üblich, sind kein Thema. Die Wärme stammt aus regionaler Abwärme und ist damit nachhaltig erzeugt. Kurz gesagt: Fernwärme ist klimafreundlich, stabil im Preis und im Alltag besonders unkompliziert.
Ein Tipp zum Schluss
«Planen Sie den Heizungsersatz frühzeitig und nehmen Sie rechtzeitig Kontakt mit uns auf», empfiehlt Guggisberg. «Die Fernwärmekarte bietet eine gute erste Orientierung. Bei Unsicherheiten hilft auch die öffentliche regionale Energieberatung.»
Und Caduff ergänzt mit persönlicher Erfahrung: «Ich selbst bin Fernwärmekunde. Zu wissen, dass die Wärme aus der Region kommt und im Alltag einfach funktioniert, gibt mir ein gutes Gefühl. Für mich ist es ein echtes Rundum-Sorglos-Paket und eine Entscheidung, die ich jederzeit wieder treffen würde.»
